Namenspatron

Hermann Hesse

Was könnte dahinter stecken?
Taugt dieser Autor überhaupt zum Namensgeber einer Schule / unserer Schule?


Wir sind es gewohnt, dass Schulen ähnlich wie Kasernen nach bedeutenden Persönlichkeiten benannt werden, im demokratischen Rechtsstaat nach solchen, die Vorbild sein können für freiheitliche Grundhaltung.

Hermann HesseSchulen und Kasernen – das fällt mir spontan beim Nachdenken darüber ein, was hinter dieser Namensgebung für unsere Schule stecken könnte. Vielleicht zeigt sich der Wandel des Deutschland von Einst zum heutigen am ehesten an diesen beiden „Anstalten“. Obrigkeitsstaatlich orientiert war die Aufgabe beider „Anstalten“ neben der Vermittlung von Wissen das Einpauken von Disziplin und Gehorsam ohne eigenständiges Nachfragen.

Heute markieren andere Maximen die Aufgabe von Schule und Kaserne: Die Bildung des Bürgers, der Verantwortung zu übernehmen bereit ist. Nebenbei bemerkt bedeutet dies nicht, dass der Bürger des demokratischen Rechtsstaates weder Disziplin noch Gehorsam gelernt haben müsste, aber es ist eben nicht dieses „blinde Folgen“, der berüchtigte „Kadavergehorsam“. Für die Schule bedeutet das meiner Meinung nach, dass, um eine Aussage des ehemaligen Bundeskanzlers Willy Brandt zu zitieren, die „Schule der Nation die Schule ist!“

Wenn diese Maxime und meine Eingangsbemerkung gültig sind, dann stellt sich die Frage, was könnte hinter der Namensgebung stecken, taugt Hermann Hesse überhaupt zum Namensgeber einer Schule? Mir als Germanisten ist es sehr recht, an einer Schule zu unterrichten, die einen Schriftsteller zum Namensgeber hat. Ich gebe zu, dies war und ist mir sympathisch, aber ich habe das lange Zeit einfach so hingenommen. Jubiläen bringen es mit sich, über vermeintliche Selbstverständlichkeiten nachzudenken, zum Beispiel darüber, dass zwischen der Person des Namensgebers und der Aufgabe einer Schule sowie deren Schülerinnen und Schülern ein Zusammenhang herstellbar sein muss. Dabei will ich nicht den Begriff des „Vorbildes“ strapazieren, mir geht es um das Beispiel, um mögliche Alternativen zum scheinbar klaren Verhalten, Denken und Handeln, es geht mir um kritische Reflexion.

 

Liegt Hermann Hesse unter diesem Gesichtspunkt wirklich nahe? Vielleicht ist man auf ihn ja nur verfallen, weil viele seiner Bücher Jugend und Pubertät zum Thema haben; oder weil meine Kolleginnen und Kollegen genau wie ich einer Generation angehören, für die Hermann Hesse eines der Symbole für Veränderung, für Reform war; vielleicht war ihnen aber auch das Lebensgefühl von Peter Fondas „Easy Rider“ gegenwärtig, ein Kultfilm der 60er, unterlegt mit der Musik der Band „Steppenwolf“, benannt nach einem Roman Hermann Hesses? War es also Sentimentalität oder Nostalgie, so dass die gestellte Frage mit einem Nein beantwortet werden müsste?

Natürlich fällt mir darüber hinaus sofort ein, dass Schule auch bei Hermann Hesse nicht gut wegkommt, dass er als Schüler weglief, dass er nach drei Jahren die Lehre „schmiß“ – er, ein Beispiel, eine Alternative? Ja, trotzdem und gerade auch deshalb, denn dies gehört eben zur vielfältigen Persönlichkeit Hermann Hesses, die nicht nur vom Autor, Maler und Gärtner Hesse gebildet wurde. Vor meinem geistigen Auge entsteht das Bild eines Menschen, der von vielerlei Kulturen geprägt wurde, der sich an Konfuzius orientierte: „Treue zu sich selbst und Güte zu anderen.“ [S. Unseld, Hermann Hesse, Ffm 1985, Aufl. 1987, S. 14] Dieses könnte das Motto über seinem literarischen Werk und über Hesses Leben stehen, denn Authenzität ist kennzeichnend für beides. So ließ sich Hesse nie vereinnahmen, war jedem Kult um ihn und sein Werk abgeneigt, protestierte darin gegen eine Erziehung zur Konformität und Anpassung, zeichnete immer wieder den Prozess der Individuation, der Ich-Werdung. Das hat nichts mit Egoismus zu tun, es hat zu tun, mit dem Mut, sich selbst zu leben, um unsere Welt durch den einzelnen Menschen humaner zu gestalten:

„Jeder Mensch ist etwas Persönliches, Einmaliges und an Stelle des persönlichen Gewissens ein kollektives setzen zu wollen, das heißt schon Vergewaltigung und ist der erste Schritt zu allem Totalitären ...." [Hermann Hesse, zit. N. B. Zeller, Hesse, Hambrug 1963, Aufl. 1986, S. 161].

Die Erziehung des mündigen Bürgers erfordert Hilfestellung bei der Entwicklung der jeweils eigenen Persönlichkeit. Hermann Hesse ruft uns dies wiederholt ist Bewußtsein, weshalb die Ausgangsfrage nur mit einem eindeutigen Ja beantwortet werden kann!

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